Die Bundesliga wird fortgesetzt aber zu welchem Preis

Es geht wieder los. Die Bundesliga geht weiter, aber wie ist es dazu gekommen und was kann davon gehalten werden?

Die Politik hat pro Bundesliga entschieden

Am 6. Mai hat sich die Bundeskanzlerin zusammen mit den Ministern beraten und auf der Pressekonferenz das Okay für den Neustart der 1. und 2. Fußballbundesliga gegeben, allerdings ohne Zuschauer. Einen Tag später hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) dann bereits die Spieltage terminiert. Losgehen wird es am 16. Mai mit der Samstagskonferenz der Bundesliga. Die Konferenzen der ersten zwei Spieltage von erster und zweiter Liga werden ausnahmsweise im Free-TV zu sehen sein.

Ende April hat eine Taskforce im Auftrag der DFL ein Konzept entwickelt, das den Spielbetrieb trotz der Corona-Pandemie ermöglichen soll. Darüber wurde viel diskutiert und die Kritiker fanden ihre Bestätigung in dem am Montagmittag erschienen Video von Hertha-Profi Salomon Kalou. Dort ist zu sehen wie sehr einige Spieler und Verantwortliche die vorgegeben Hygiene- und Abstandsvorschriften missachten. So zeigt das Video zum Beispiel den klassischen Handschlag unter Spielern und Verantwortlichen. Trotz des Vorfalls wurde am Mittwoch entschieden die Bundesliga fortzusetzen. Der Fall Kalou diente mehr als Warnung sich an die Regularien zu halten.

Der Fan im Zwiespalt

Genug der Vorgeschichte. Heute ist Samstag, der 9. Mai und in genau einer Woche geht es wieder los. Endlich wieder Bundesliga schauen, sagt der Fan in mir. Allerdings sehe ich dem Ganzen auch sehr kritisch entgegen. Geisterspiele sind einfach nicht dasselbe und kommen nicht annähernd an das Erlebnis mit Publikum heran. Der Heimvorteil existiert praktisch gar nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass von nun an die Heimspiele der Hertha im Olympiastadion ohne die berühmte Ostkurve stattfinden. Das wird vor allem für sie Spieler sehr schwer werden. Aber auch für die Schiedsrichter. „Irgendwie hat es mit Fußball nichts zu tun“, sagte Schiedsrichter Deniz Aytekin nach dem allerersten Geisterspiel der Bundesliga am 11. März zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln.

Auf der anderen Seite steht die aktuelle Situation. Viele sprechen von einer Ausnahme, die wieder einmal der Fußball bekommt, weil ihre hochrangigen Funktionäre und Klubbosse Angst vor den wirtschaftlichen Folgen haben – Stichwort TV-Einnahmen. Es ist selbstverständlich, dass sie es vermeiden wollen Insolvenzanträge stellen zu müssen. In einem Fußballklub sieht der Zuschauer nur die erste Mannschaft und den Staff, aber es gibt noch sehr viele Arbeitsplätze, die an einem Bundesligisten hängen. Ein mögliches Szenario, das tausende arbeitslose Angestellte zeigt, sollte ebenfalls verhindert werden.

Insolvenz und Arbeitslosigkeit verhindern zu wollen, kann den führenden Akteuren der Klubs und der DFL zugutegehalten werden. Es ist allerdings höchst fragwürdig, ob die Tests, die alle Bundesligisten jetzt regelmäßig (zweimal pro Woche) durchführen müssen, nicht an anderer Stelle fehlen würden. Wieso können zum Beispiel Lehrer/innen und Erzieher/innen nicht ähnlich regelmäßig getestet werden?

Ein Entscheidung zum Scheitern verurteilt?

Fußball und Geisterspiele das passt einfach nicht zusammen. Entfernt sich der Fußball nicht zu sehr von seinem ursprünglichen Wesen? Ist das Hygienekonzept der DFL zuverlässig und umsetzbar? Sind sich nach der „Causa Kalou“ alle Spieler ihrer Vorbildfunktion und der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst? Und zu welchem Preis wird die Bundesliga fortgesetzt? Diese Fragen lassen sich erst in ein paar Wochen beantworten. Eines ist auf jeden Fall klar. Es geht wieder los. Die Bundesliga geht weiter.

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